Gemeinschafts-Entdeckungstour Teil 1: Harzgerode, und „Ein neues Wir“

Wie kann Leben in Gemeinschaft funktionieren – oder auch nicht? Naturnah leben und undogmatisch, dabei Schritt für Schritt raus aus Abhängigkeiten von Geld und dem „System“ – wie kann das gehen? Ich besuche Ökodörfer, Kommunen, Biohöfe und allerlei Wohnprojekte, um solche Fragen zu erforschen.

Los geht’s im November 2018. Erste Station: „Heilstätte Harzgerode“ im südlichen Harz. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Lungenheilanstalt, ein riesiges Gelände mitten im Wald, wo in Zukunft bestimmt 100 Leute wohnen könnten. Dort wohnt derzeit eine kleine Truppe von Leuten mit viel Elan, die fleißig dabei sind, Unterstützung und Fördermittel an Land zu ziehen, um das Gelände bewohnbar zu machen.
Ich sehe da viel Potential! Wer weiß, was dort sonst alles entstehen wird. Platz gibt es genug für viel Gemüse- und Obstanbau, eine freie Schule, eine eigene Kläranlage (gibt es schon…), Gästezimmer, vielleicht Seniorenbetreuung und vieles mehr… Dort können kleine und große Seminare stattfinden, sogar für Festivals ist dort Platz. Was genau geschehen wird, hängt natürlich von den Menschen ab, die noch dorthin ziehen.
Es gibt schon jetzt mehrere WGs, in denen verschiedene Stile des Zusammenlebens praktiziert werden. Eine interessante experimentelle Idee fand ich den gemeinsamen Kleiderschrank: Jede(r) Bewohner(in) trägt dazu die Kleidungsstücke bei, die er/sie mit anderen teilen möchte, und kann sich dafür auch mit Kleidung von anderen einkleiden. Da kommen dann spannende Kombinationen raus 😀

Für mich steht dieses Projekt derzeit noch zu sehr am Anfang… ich wünsche mir gerade eine Gemeinschaft, die schon etwas etablierter ist. Und außerdem ist da die Sache mit dem Geld. Um diese Heilstätte zu sanieren, sind Investitionen in Millionenhöhe nötig, und wenn ich solche Summen auszugeben hätte, würde ich jedenfalls was anderes damit machen als marode Gebäude zu sanieren…
doch da ist jede(r) anders, und ich habe den Eindruck, innerhalb von einigen Jahren schon könnte dieser Ort richtig aufblühen!

Zweite Station: „Ein neues Wir“ in Hangenmeilingen (bei Limburg). Hier wohnen etwa 25 Menschen, davon etwa 10 Kinder. Mir fällt hier sehr stark auf, wie unglaublich anders die Kinder hier sind. Wach, voller Selbstvertrauen, fähig sich ins Spiel zu vertiefen – auch ohne Handy. Ganz in der Nähe ist eine freie Schule, wo die Kinder sich sehr frei entfalten können. Und man sieht – wenn Kinder lernen WOLLEN anstatt dazu gezwungen werden, ist alles möglich!
Mir gefällt das menschliche Miteinander hier, die Art wie kommuniziert wird, und auch wie die Kinder einfach so Teil der Gemeinschaft sind. Und einige praktische Aspekte sind mir auch sympathisch. Zum Beispiel:
Jeden Tag kochen zwei Leute für alle frisch – meistens vegan, oder mindestens vegetarisch. Und wer doch mal Fleisch oder Fertigpizza essen möchte, kann das auch tun, denn in jedem Stockwerk gibt es noch eine kleine Küche. Also eine für Lösung, mit der sich alle wohlfühlen können.
Mir fehlt hier etwas der Aspekt des Lebens mit der Natur. Der Selbstversorgergarten und das Komposttoiletten-Projekt stehen zum Beispiel noch ganz am Anfang. Doch das ist verständlich – die Kinder sind derzeit eine hohe Priorität für die Gemeinschaft, und man kann nicht alle Projekte auf einmal angehen 😉
Also: Ein toller Ort – ich komme wieder!

Als nächstes besuche ich einen Selbstversorgerhof im Vogelsberg. Bin schon neugierig und werde berichten!

Manuela

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