7 Mythen über Meditation

Um was geht es bei der Meditation eigentlich? Sitzt man dabei bloß still oder hebt man dabei ab? Und wieso gefährdet Meditation das System?

Vielleicht sind diese Worte für manche eine Enttäuschung – eine Ent-Täuschung, meine ich…
Vielleicht ist der Beitrag Quatsch – dann möge er euch wenigstens zum Lachen bringen!
Oder vielleicht regt er euch auf – auch ok.
Und ich hoffe, er inspiriert einige von euch! Also, nun denn:

Mythos Nr. 1: Meditation dient dazu, mich zu entspannen, mich besser zu fühlen, mich besser zu konzentrieren… oder mich sonstwie zu einem besseren Menschen zu machen.

Nö.
Ok, mal langsam. All das können durchaus Nebenwirkungen von Meditation sein. Doch oft wird es so dargestellt, als seien diese Nebensächlichkeiten das Ziel!

Was für Ansprüche aus der Leistungsgesellschaft: Wer brav funktioniert und nicht aneckt, wird gesellschaftlich anerkannt.
Und jetzt soll Meditation ein Mittel zum Zweck sein, um dieses System zu unterstützen? Am besten noch, damit ich weiter schön Leistung bringe und mich weiter versklaven lasse? Damit ich weiter klaglos ins System passe, damit ich weiterhin irgendwelchen Ansprüchen genüge und von anderen dafür „geliebt“ werde?

Is nich. Also zumindest nicht bei mir 😛

Wer meditiert, gefährdet das System.
Denn wer meditiert, erkennt, dass das Leben schon vollkommen ist, genau jetzt…
Dass es gar nicht nötig ist, sich „besser“ zu fühlen, denn alles ist bereits in Ordnung…
Dass es nicht nötig ist, Liebe von außen zu suchen, denn wir sind schon wertvoll und niemals von Liebe getrennt…
Dass es nichts zu suchen gibt, denn wir sind schon angekommen…
Dass wir hier und jetzt frei sind.

(Naja gut, und wenn man sowas erkennt, hat das dann schon die Nebenwirkung, dass solche Menschen sehr entspannt und klar wirken können… )

Ok, ich hab gut reden – ich fühle mich oft noch meilenweit von solchen Erkenntnissen entfernt… Doch hin und wieder blitzen sie durch all die Verwirrung hindurch 😉 und das motiviert mich immer wieder dazu, weiterzumachen!

 

Mythos Nr. 2: Beim Meditieren geht es darum, etwas Besonderes zu erleben, in irgendwelche anderen Dimensionen „aufzusteigen“, oder abgehobene Trancezustände zu erleben.

Ja nun, man kann die verschiedensten Geisteszustände erleben und die seltsamsten Erfahrungen machen. Welche, kommt ganz darauf an, was jemand so für Meditation hält.
Doch wiederum: Es ist nicht das Ziel, irgendwas besseres oder anderes zu erleben als wir es jetzt schon tun – sondern sich ganz und gar auf das Erleben hier und jetzt einzulassen.


Voll und ganz da anzukommen, wo wir schon sind, mit Haut und Haar und jeder einzelnen Körperzelle.
Das Leben wahrzunehmen und vollkommen anzunehmen, genau so wie es ist.
(Nicht so, wie wir es gern hätten oder wie andere es uns erzählen.)

 

Mythos Nr. 3: Beim Meditieren geht es um vor-sich-hin-Grübeln, mit-sich-selbst-beschäftigen oder sonstige Nabelschau.
Das höre und lese ich ziemlich oft: Wer meditiert, sei bloß mit seiner eigenen Gedankenwelt beschäftigt, sei selbstsüchtig und egoistisch.

Nicht verwechseln bitte!
Grübeln hat absolut nichts mit Meditation zu tun. Denn wenn du in deinen Gedanken, Problemen und Ängsten versinkst – was soll das bewirken, außer immer mehr Leid und Trennung?

Wer meditiert, erkennt, dass er nicht von anderen getrennt ist. Wer meditiert, nimmt sich selbst, andere und das Leben in Liebe an – und kann so auch wirklich liebevolle Beziehungen mit anderen Menschen eingehen. Also ist Meditation das Gegenteil von bloßer Selbstsucht!

 

Mythos Nr. 4: Meditation geht nur, wenn man stillsitzt.

Ich weiß auch nicht, woher der Mythos kommt, dass Meditation nichts mit dem Körper zu tun hätte.
Die Gründe gehen wohl tief. Unsere heutige Kultur – nicht nur die christliche – ist unglaublich körperfremd. Als ob der Körper „unrein“ sei und irgendwie getrennt vom „reinen“ Geist…

Doch durch den Körper nehmen wir die Welt wahr, und durch ihn können wir handeln. Das zu verleugnen, ergibt keinen Sinn! Ganz im Hier und Jetzt anzukommen, geht nur, wenn wir im Körper ankommen, den Körper annehmen und wahrnehmen.

Dafür kann Bewegung sehr hilfreich sein. Es gibt diverse Meditationsmethoden, die auf Bewegung basieren: Zum Beispiel Yoga, Qi Gong, Tai Chi und andere.

Bewegungsmeditationen können für sich stehen, oder als Vorbereitung für Meditation im Sitzen dienen. Ich merke immer wieder, wie die Gedanken durch Bewegung zur Ruhe kommen, und dass mir danach stille Meditation viel leichter fällt.

Als Reaktion auf die wachsende Körperfremdheit im Westen wurden in den letzten Jahrzehnten spezielle Stile entwickelt – Tanzmeditationen wie z.B. die „5 Rhythmen“, die dynamische Meditation von Osho, und viele andere.

Auch Massage, also achtsame Berührung, kann eine Meditation sein. Die Thai-Yoga-Massage ist das auf jeden Fall für mich!

 

Mythos Nr. 5: Um es beim Meditieren zu irgendwas zu bringen, muss man jeden Tag stundenlang üben, oder Jahre in einer Höhle verbringen, oder Ähnliches.

Merkst du was? Hier steckt wieder Leistungsdenken drin. Beim Meditieren gibt es nichts zu erreichen… außer vielleicht genau letzteres zu erkennen.
Wenn ich zusammenfassen sollte, was Meditation für mich bedeutet, dann wäre das wohl…
Die Entscheidung, in jedem Moment ganz und gar zu LEBEN, sich dem Leben voll und ganz anzuvertrauen. Die Erkenntnis, dass jede Trennung zwischen uns und anderen nur Mindfuck ist; dass wir nicht verpflichtet sind, uns „besser“ fühlen zu müssen, denn wir sind schon wunderbar, genau so wie wir sind…
Eigentlich ganz einfach – nur ist es so easy, dass wir es nicht kapieren…

Nun gut, es kann zugegebenermaßen sehr sinnvoll sein, mal viel zu meditieren. Ein Meditationsretreat – was übrigens auch hier im Jivaka Castle möglich ist 🙂 – kann so einige Aha-Erlebnisse mit sich bringen und sich nachhaltig befreiend auf das Leben auswirken.

Doch die Frage ist: Was kommt raus, wenn man längere Zeit viel meditiert? Das hängt davon ab, was man unter Meditation versteht, und mit welcher Motivation man die Übung macht!

Wenn man mit dem Ziel meditiert, „gedankenleer“ zu werden und sich so vom Leben abzutrennen, wird genau das geschehen. Wer sich durch Meditationsübungen irgendwie „besser“ oder „spiritueller“ als andere Leute fühlen will, kann auch das haben. Und Meditationsübungen können genauso zu einer Ablenkung oder Sucht werden, wie vieles andere.

Und das wäre halt schade drum…

Jeff Foster bringt es auf den Punkt:

„What is true meditation? Being awake and alive to this precious moment.“ 

Bei der Gelegenheit noch ein ganz praktischer Tipp: Lieber fünfmal am Tag fünf Minuten meditieren, als einmal fünf Stunden am Stück und dann den Rest der Woche gar nicht mehr.

 

Mythos Nr. 6: Meditieren ist sowas wie Beten.

Dazu habe ich ein interessantes Zitat gefunden:
„Im Gebet offenbarst du die Haltung der Trennung… dort ist Gott und da bist du… du murmelst Phrasen, bist kognitiv am Winseln um die Erfüllung gewisser Bedürfnisse deines Egos…Du bist im Wollen und Verlangen und dies ist immer ein Beweis dafür, dass du in irgendeinem Aspekt deines Lebens an Mangel zu leiden glaubst…und wenn du für andere betest, dann zweifelst du unbewusst daran, dass die Göttlichkeit eins mit diesen anderen ist und deren Bedürfnisse ignoriert oder nicht schon längst erkannt hätte. Du glaubst, die Göttlichkeit bräuchte deine Hinweise, um zu wissen, was für den Anderen das Beste sei. Dein Gebet…ist praktizierter Zweifel.

In der Meditation aber… bist du ohne Wollen, ohne Verlangen… ohne den Glauben an Trennung… Meditation ist das stille, absichtslose Bekenntnis und die totale Hingabe an die Einheit mit der gesamten Existenz im Hier und Jetzt.“
*Quelle: https://andersmensch.wordpress.com/2016/01/17/gebet-oder-meditation/

Mein Senf dazu: Gebet kann zur Meditation werden – wenn man sich bewusst wird, dass es keine Trennung zwischen dem Objekt der Hingabe und der eigenen Essenz gibt.

 

Mythos Nr. 7: Beim Meditieren geht es darum, Gedanken anzuhalten oder Gefühle aufzulösen.

Gedanken und Gefühle sind ein natürlicher Ausdruck unseres Seins. Sie „abschalten“ zu wollen, ergibt gar keinen Sinn – dann könnten wir genauso gut zu atmen aufhören.

Gedanken und Gefühle sind an sich kein Problem, sondern unser Umgang damit. Wenn wir uns von ihnen mitreißen und beherrschen lassen, machen wir sie zu einem Problem.

Doch das ist nicht nötig. Wir können Gedanken und Gefühle wie Wolken am Himmel wahrnehmen. Sie entstehen, bleiben eine Weile und vergehen wieder, wir können sie annehmen wie sie sind, und an sich gibt es keinen Grund, uns von ihnen fortreißen und quälen zu lassen.

Nun gut: Um das so zu erfahren, ist Übung nötig. Dafür gibt es Konzentrationsübungen, durch die man sehr friedvolle Gedankenleere erleben kann.

Ein wunderbares Gefühl, ein friedlicher Zustand – doch vergänglich wie alles andere auch.

Diese Gedankenleere ist nicht das Ziel… eher ein Schritt auf dem Weg.

Auf dem Weg  zur Erkenntnis, dass unser Sein immer vollkommen ist, egal was für Gedanken und Gefühle gerade auf unserer inneren Kinoleinwand ablaufen.

Und was ist zwischen den Gedanken? Was denkt denn da?
Raum? Freiheit? Potential?
Auch das sind nur Worte…

So – genug philosophiert! Wenn du zu einer Auszeit ins Jivaka Castle kommst, können wir gerne gemeinsam meditieren.

Wenn du noch nicht meditiert hast: Würdest du gerne? Was hindert dich bisher?
Oder wenn du schon Erfahrung mit Meditation hast: Welches „Ziel“ hat sie für dich?
Und welche Vorurteile über Meditation hast/hattest du, oder welche begegnen dir bei anderen Leuten? 😉
Ich würde mich freuen, von dir zu lesen…

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